"Unter Regie des sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst erarbeitet eine Projektgruppe derzeit einen „Maßnahmeplan für die Erhaltung der sorbischen Sprache und Kultur“. [...] Der Plan soll helfen, die sorbische Sprache mit Hilfe staatlicher Institutionen mehr in der Öffentlichkeit zu präsentieren."
Auf Anhieb, ohne jeglichen Maßnahmeplan, fiele mir da Folgendes ein:
- Herrn Wöller zwingen, sorbische Schulen zu erhalten und - wie woanders üblich - niedrigere Klassenteiler als bei Schulen der Mehrheitsbevölkerung anzusetzen.
- Mittel für einen konsequenten Ausbau des WITAJ-Kindergartennetzes bereitstellen.
- Den MDR und seinen in Bälde kommenden neuen Intendanten verpflichten, endlich ein im Umfang dem sorbischen Bevölkerungsanteil entsprechendes sorbisches Fernsehprogramm zu produzieren - das wären acht Stunden statt den heutigen 25 Alibi-Minuten!
- Und das Preiswerteste: Endlich eine konsequent zweisprachige Beschilderung durchsetzen! Eine Praxis, in der zwar jedes sorbische Dorf, nicht aber Drježdźany, Zhorjelc, Biskopicy, Žitawa und Lubij ausgeschildert sind, ist vielleicht Folklore, aber keine ernstgemeinte Zweisprachigkeit! Das gleiche gilt selbstverständlich für (Bundes-)Autobahnen und Gemeindestraßen im amtlichen Siedlungsgebiet.
Witaj Julijano,
AntwortenLöschendein Maßnahmenplan ist gut - gefällt mir.
Leider trägt es einige Fragen bzw. Überlegungen mit sich:
Zu 1. Niedrigere Klassenteiler sind heute kein Garant für stabile Schulstandorte mehr.
Es kann sogar gegenteilig laufen.
Laut SächsSG haben wir niedrigere Klassenteiler jedoch damit einhergehend auch niedrigere kommunale Einnahmen.
Trotz Fortbestand bluten die Schulstandorte förmlich aus und die Gemeinden verlieren zunehmend ihre finanziellen Möglichkeiten.
Eigentlich ist das die eleganteste Art seitens des Kultus Schulen zu schließen.
Meiner Meinung nach wäre der Blick zu den deutschen Dänen ein hilfreicher Ansatz.
Zu 2. Auch gut und absolut richtig. Aber ebenso wichtig ist auch Witaj als Konzept in Rahmen zu setzen.
Heute weiß man leider nicht, was morgen raus kommt.
Wieviel sorbisch müssen die Kinder lernen?
Reicht da nicht nur etwas Liedgut und Kulturkreise?
Wer kontrolliert das?
Wie kontrollieren wir es?
An was messen wir das?
Eine Antwort ist der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen.
Denn ohne "Rahmen" weiß man ja nie wo das Bild anfängt und wo es endet. ;o))
Zweite ganz wichtige Frage: Woher die Erzieher nehmen?
Ein tolles Konzept mit viel Kindern ist nichts ohne fachlichen Erziehernachwuchs.
Ein Plus wäre ja dann auch, wenn diese kommenden Erzieher die sorbische Sprache im hohen Maße (siehe die Rahmenklassen des GER) wiedergeben könnten.
Nur so ist die Immersion sinnvoll.
Zu 3. Ebenfalls absolut richtig.
Beachten sollte man auch den Rundfunk.
Eine Frage hierbei ist jedoch, wieviel Prozent der sorbischen Bevölkerung nutzt den Livestream / die mediathek des MDR / des RBB und wieviele sind echte "Live"-konsumenten.
Damit ergibt sich dann die Frage erneut aber mit Bedarfszahlen.
zu 4.
Ich glaube das ist eins deiner Steckenpferde und das ist schön.
Es ist wichtig diesen Grundsatz zu Sichern, wird er auch in der "Charta der autochtonen, nationalen Minderheiten/Volksgruppen in Europa" unter Pkt. 12 genannt.
Grundlegend bezieht es sich ja auf das Siedlungsgebiet aber eben auf das "ganze" und auf "alle" Topographien.
Hierbei versteht es sich ja fast von selbst, dass diese Beschilderungen dann auch stimmen sollen.
Es hat lange gedauert, bis ein Einsehen da war und es wird noch lange dauern, bis es gänzlich gesichert ist.
Schlimmer geht es da wahrscheinlich nur den Kärntner Slowenen (siehe Ortstafelstreit).
Grundlegend muss man alles versuchen doch vieles muss erst einmal genannt werden und sich als Bedarf entwickeln.
Es gibt viele Themen auch andere recht unliebsame:
- rassistische Übergriffe im Regionalfussball
- die Schlechterstellung sorbischer Institutionen und damit der Angestellter gegenüber anderen
- die Banalisierung sorbischer Kultur hin zu Kulturtourismus
- Dann auch Kulturtourismus als Werbeplattform aber wiederum ohne Sorben
und und und.
Alles große Baustellen, alles wichtige Baustellen und für alles brauchen wir Leute wie dich.
Danke, dźakuju
Dawid Statnik, předsyda
zu 3.:
AntwortenLöschenzumindest wieviele Menschen den Livestream und die Mediatheken nutzen müsste sich doch mit entsprechender Software überprüfen lassen. Es überrascht mich wenn bzw. dass das bisher noch nicht gemacht wird.
zum GER: gibt es da inzwischen neue Entwicklungen?
MfG Elisa Ribbe