Dienstag, 31. März 2009

faschismus mal anders - zwei links zum nachdenken

Marx als Antisemit und Slawenhasser: http://jungle-world.com/artikel/2009/13/33606.html
Rassismus in Tschechien: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,613610,00.html

Keine Klagen, auch ich habe den Inhalt unabhängig vom Herausgeber betrachtet.
Postrowy!

Donnerstag, 26. März 2009

nato-bashing in ex-yu

Hier noch eine kurze Aktualisierung zum Thema Anti-NATO-Demo in Belgrad. Der 24. März als zehnter Jahrestag des Beginns der Bombardierung Serbiens durch das Atlantische Bündnis begann mit einer kurzen, gemäßigten Stellungnahme der serbischen Regierung und dem Heulen der Sirenen und Läuten aller Glocken zur Mittagsstunde. Gegen Abend fand auf dem Trg Republike (Platz der Republik) im Stadtzentrum die stadtweit groß und breit angekündigte Demonstration unter dem Motto "Serbien ist die Welt. Die Welt gegen die NATO." statt. Erfreulicherweise hatten sich auf dem übersichtlichen Platz nur etwa 2000 zumeist junge Serben versammelt, die aus heiseren Kehlen versuchten, lauthals ihrem Hass Ausdruck zu verleihen. Das allerdings war angesichts der Kälte und der offensichtlichen Unlust eines Teils der Demonstranten nur unwesentlich von Erfolg gekrönt. Neben dem obligatorischen Schwenken von serbischen Flaggen und Bildern von gesuchten bzw. bereits gefassten Kriegsverbrechern beschränkte sich der Protest auf das monotone Grölen von Parolen wie "Kosovo je Srbija" (Kosovo ist Serbien), "Živela Srbija!" (Es lebe Serbien) usw. Einige russische Redner und auch die Mehrzahl der sprechenden Serben betonten immer und immer wieder die Bruderschaft mit dem großen Freund in Moskau - der auch Serbien nicht vorm Gasboykott bewahrt hatte und mit seiner Außenpolitik konsequent hiesige Forderungen untergräbt. Aber was interessiert das den gemeinen Nationalisten? Den eindrucksvollsten und zugleich ausdrucksschwächsten Auftritt legte eine Gruppe junger Serbonazis hin, die unter krächzendem Gebrüll auf die Bühne stürmten, um eine Europa-Flagge zu verbrennen und danach wieder zu entschwinden. Kurz vor ihnen hatte noch ein Vertreter von "Junges Russland" dem Westen den Krieg erklärt und uneingeschränkte Unterstützung zugesagt. Nu ja.

Positiv zu verzeichnen ist, dass angesichts der lückenfüllenden PR-Aktion für diesen "Protest" dennoch nur wenige Einwohner der Hauptstadt sich überhaupt für die "patriotischen" Sprücheklopfer interessiert hatten. Im Zentrum einer Zwei-Millionen-Metropole wäre dann doch mehr zu erwarten gewesen. Etwas verloren standen am Rand der Veranstaltung einige Vertreter einer Schweizer Friedensbewegung, die wohl - ähnlich einiger "linker" ausländischer Redner - nicht begriffen hatten, wem sie da die Hand reichen. Auf einer Veranstaltung, bei der statt der Bombenopfer zu gedenken, Massenmörder als "Helden des Volkes" gefeiert werden, sollten Linke nichts verloren haben. Schade, dass das viele Westeuropäer noch nicht begriffen haben, offensichtlich im Gegensatz zu den meisten Serben. Die wissen nämlich genau, wer ihnen ihre derzeitige - objektiv als beschissen einzuschätzende - Lage eingebrockt hat. Nationalisten á la Milošević, Šešelj und Co., die glücklicherweise bereits entweder verblichen oder hinter Gittern sind. Die "Gedenk"-Demo in Belgrad: Zu klein geratene Show für Ewiggestrige und ein Silberstreif am Horizont für das neue Serbien. Pozdrav iz Beograda!

Samstag, 21. März 2009

Neues aus der Weißen Stadt – Novosti iz belog grada.

Sonntag Morgen, 6 Uhr. Der ungarische D-Zug quietscht, kracht und rattert an allen Ecken und Enden. Seit fünf Minuten Einfahrt in den Hauptbahnhof von Belgrad. Metropole Serbiens, Jugoslawiens, am Zusammenfluss von Sava und Donau. Knapp zwei Millionen Menschen leben heute in der Hauptstadt des Chaos und der Trutzburg der Raucher in Europa. Einstmals wurde von hier aus ein Land beherrscht, dass von den verschneiten Gipfeln der Alpen bis nach Griechenland, von der Puszta bis zur adriatischen Küste reichte. Heute ist die “Weiße Stadt” die zu groß geratene Kapitale eines zu kleinen südosteuropäischen Ländchens, das mit sich und der Welt ringt.

An der Kreuzung Nemanjina/Kneza Miloša ragt noch immer die Ruine der ehemaligen Rundfunkzentrale in den Himmel, die im Kosovokrieg von NATO-Raketen zerschossen wurde. Schräg gegenüber schottet sich die amerikanische Botschaft – wie überall auf der Welt – mit Betonbarrieren gegen die Außenwelt ab. Dieser Tage gedenkt Serbien dem internationalen Angriff vor zehn Jahren, natürlich auf eigene Art und Weise. Auf Plakaten wird neben den stolzen Fahnen von großen Nationen wie Abchasien, Nicaragua, Nordkorea und Libyen verkündet: Србија је свет! - Serbien ist die Welt. Und die Welt sei gegen die Nato.

Vom Kalemegdan, der “Burg-Burg”, die schon vor 2300 Jahren als Festung diente, schweift der Blick über die beiden Ströme, die Plattenbauten von Zemun und Novi Beograd auf der anderen Seite, die Ebenen der Vojvodina im Norden und die zahllosen Hügel, auf denen die Hauptstadt steht, auf der anderen Seite. Auf der Festung reihen sich Kanonen, Haubitzen und anderer militärischer Kram aneinander. Die meisten sind nach Norden gerichtet. Über die Sava nach “Europa”. So wird hier auch der ehemaligen Größe und Macht gedacht. Im Zentrum dankt ein Denkmal den Franzosen für ihre Hilfe im Ersten Weltkrieg.

Der eisige Wind peitscht die Wellen gegen das Ufer von Zemun. Dieses kleine, ehemals ungarische Städtchen ein wenig nördlich der Altstadt ist heute ein Stadtteil Belgrads. Die gemütliche Altstadt mit ihren habsburgischen Fassaden, kleinen Gasthäusern und gepflasterten Straßen täuscht darüber hinweg, dass Zemun die Hochburg der Radikalen Partei war und ist. Der serbische Obernazi Vojislav Šešelj, seit nunmehr sechs Jahren im Kriegsverbrecherknast in Den Haag, war hier Bürgermeister. Die Mörder des jungen, charismatischen Ministerpräsidenten Djindjić, der im März 2003 mitten in der Innenstadt erschossen wurde, kamen ebenfalls aus Zemun. Im Restaurant läuft traditionelle serbische Musik mit jammerndem Gesang.

An Titos Grab im “Haus der Blumen” – eine lärmende japanische Reisegruppe bestaunt und fotografiert Geschenke, die der 1980 verblichene Marschall und beinahe legendäre Gründer des roten Jugoslawien aus aller Welt zusammengetragen hat. Ein Museum zeigt dutzende Tito-Bilder, Tito-Statuen, Tito-Filme und Tito-Bücher. Hier wird an den Mann erinnert, der den vielsprachigen Balkanstaat mit eiserner Faust zusammenhielt und nach dessen Tod derselbe vor die Hunde ging. Heute zählt der einst geliebte Kamerad nichts mehr in den Ländern der Südslawen. Höchstens die bosnischen Muslime halten seinen Namen noch hoch. Die nationale Verblendung hat den Glauben an ein einiges und brüderliches Jugoslawien ersetzt.

Das Monument des Größenwahns ist die Kathedrale des Heiligen Sava, die über der Stadt thront. Vor 75 Jahren begann man mit dem Bau dieses weißen Monstrums, das einmal der größte orthodoxe Kirchenbau Europas sein soll. Das steingewordene Serbentum ist noch immer eine riesige, leere Baustelle. Unter der betongrauen Kuppel steht etwas verloren der Heilige und bestaunt die Unmengen von unverbautem Marmor, die unter dem größten Dach Serbiens auf ihren Platz warten.

Belgrad qualmt. Ob in der Uni, den Läden, im Bus oder Museum – geraucht wird überall. Und immer. Selbst dort, wo Schilder darauf hinweisen, dass es verboten sei, stehen Aschenbecher auf den Tischen. Hier regiert die Mehrheit. Und die ist weiß, orthodox und raucht. Pozdravi iz Beograda.