Sonntag, 22. Februar 2009

Wie man am schönsten das Licht ausmacht...

Mittwoch, 11. Februar, 16:00 Uhr. Der Konferenzsaal des Klosters St. Marienthal in Ostritz ist gut gefüllt. Etwa 200 Menschen – die meisten von ihnen deutlich über 55 – warten gespannt auf Horst. Nicht irgendeinen, sondern jenen Bundeshorst Köhler, der schon seit dem frühen Morgen durch die Oberlausitz tourt, um sich innovative Projekte gegen Massenarbeitslosigkeit, -abwanderung und die grassierende Überalterung der Region zu Gemüte zu führen. Auch das Bautzener Steinhaus war mit einem Besuch beehrt worden. Zeigte sich der Bundespräsident in den alten Gemäuern an der Steinstraße noch begeistert von den Ideen der Jugendlichen aus Bautzen und Weißwasser sowie vom Mittagessen, hätte ihm spätestens im alten Kuhstall des Klosters – mit Gottes Hilfe laut Hinweistafel erbaut von einer einzigen Äbtissin – Angst und Bange um die nähere Zukunft der Lausitz werden können.

An der vom stellvertretenden Chefredakteur der SZ - ... - überraschend unprofessionell geleiteten Diskussion unterm baumelnden Kreuz nahm zunächst einmal außer Torsten fürs Steinhaus kein einziger Vertreter der Jugendkultur im Lande teil. Geschweige denn überhaupt irgendwer, der was mit der Jugend am Hut hätte – was ja bei einer Veranstaltung mit dem Thema “Demografischer Wandel” vielleicht zu erwarten gewesen wäre. Nein, stattdessen saß da z.B. ein wohl betuchter Frührentner aus dem Westen, der stolz davon berichten durfte, dass er sich ein schickes Altstadthaus in Görlitz zugelegt hat und dieses nun – ganz auf sich gestellt – saniert. Aha, warum auch nicht. Kann ja jeder machen, wie er will. Neben dem Steinhaus-Chef hatte ein Stadtplaner aus der Schweiz Platz genommen, der mit Abstand den lautesten Applaus von der Menge erhielt, die es nur aus Altersgründen auf ihren Plätzen hielt. Das lag wohl auch daran, dass er jeden Satz in der Feststellung enden ließ, dass diese unsere Region und ihre Städte doch so wunderschön und einzigartig seien. Vielen Dank. Sein Projekt nennt sich übrigens “Probewohnen” und zielt offenbar darauf ab, Familien vom Land teure Stadtwohnungen nahezubringen, weil ja in Görlitz alles so bequem sei, verglichen mit den Qualen auf dem Dorf. Tolle Idee – unterstützt zwar die Vergeisterdorfung der Region, bringt aber schließlich den Görlitzer Vermietern und ihrem korrupten Oberbürgermeister eine goldene Nase ein. Was die verhinderte Kulturhauptstadt mit den 1078 Westrentnern, die sie seit 2000 aufnehmen musste, in 20 Jahren noch anfangen soll? Die Frage stellte sich nicht. Die einzige Frau der Runde schließlich war nach sieben Jahren in München nach Bautzen zurückgekehrt. Lobenswert zwar, leider war aber ansonsten nicht sehr viel von ihr zu hören.

Als ob das nicht alles schon schlimm genug wäre, gab es da ja noch das Publikum. Nachdem die penetranten Zwischenrufe von mehreren gewaltbereiten Schwerhörigen (Laudor! Mon hert hior nüscht!) endlich verklungen waren, kehrte aufmerksame Stille ein, die von einem monotonen Klangteppich aus Husten und Ächzen getragen wurde. Die große Stunde der “Bürger” schlug erst, als der Diskussionsleiter souverän bemerkte, dass die Zeit eigentlich reif für eine Fragerunde wäre. Insgeheim war ihm eventuell bewusst geworden, dass seine “Diskussion” seit nunmehr sechzig Minuten sinnlos im Kreis herumirrte. Die Absurdität des Forums stieg nun noch einmal sprunghaft an. Mehrere Bürger ergriffen ihre Chance, um ihre ganz persönlichen Erfolgsrezepte für die Stadt Meißen (?!) dem Präsidenten in Heftform zu überbringen, Werbung für das Umgebindeland zu machen, was hier ja viel zu kurz gekommen sei (Allerdings! Bautzen und alles andere außer Görlitz aber auch), oder Blumensträuße zu verteilen. Der mit Abstand einfallsreichste Beitrag kam von einem alten Imker, der sich laut Gedanken über die Zusammenhänge zwischen dem Bevölkerungsrückgang und dem Sterben der Bienenvölker machte – dafür aber von der intoleranten, pseudointellektuellen Meute nur höhnisches Gelächter empfing. Wahrscheinlich war dieser fulminante Abschluss seiner Tour auch der Hauptgrund dafür, dass sich Köhler nach der Veranstaltung besonders herzlich von der Transponder-Delegation verabschiedete – weil die nämlich so ziemlich die einzigen Bürger der Altersklasse U30 dargestellt und sich mit peinlichen Aussetzern im Gegensatz zu zahlreichen anderen Besuchern zurückgehalten hatten.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass es eigentlich scheißegal ist, wenn einstmals niemand mehr in der Lausitz wohnt, solange es hier wunderhübsch ist und genügend reiche Westpensionäre die Friedhöfe bevölkern. Zumindest hab ich das so verstanden. War wohl auch so gemeint.

Samstag, 14. Februar 2009

ausblick

demnächst hier:

* wie man am schönsten das licht ausmacht - diskussionen mit bundeshorst in der lausitz

* geschichte(n) aus belgrad - julio in ex-ju

* die lausitz von oben - bilder ausm flugzeug