Hier noch eine kurze Aktualisierung zum Thema Anti-NATO-Demo in Belgrad. Der 24. März als zehnter Jahrestag des Beginns der Bombardierung Serbiens durch das Atlantische Bündnis begann mit einer kurzen, gemäßigten Stellungnahme der serbischen Regierung und dem Heulen der Sirenen und Läuten aller Glocken zur Mittagsstunde. Gegen Abend fand auf dem Trg Republike (Platz der Republik) im Stadtzentrum die stadtweit groß und breit angekündigte Demonstration unter dem Motto "Serbien ist die Welt. Die Welt gegen die NATO." statt. Erfreulicherweise hatten sich auf dem übersichtlichen Platz nur etwa 2000 zumeist junge Serben versammelt, die aus heiseren Kehlen versuchten, lauthals ihrem Hass Ausdruck zu verleihen. Das allerdings war angesichts der Kälte und der offensichtlichen Unlust eines Teils der Demonstranten nur unwesentlich von Erfolg gekrönt. Neben dem obligatorischen Schwenken von serbischen Flaggen und Bildern von gesuchten bzw. bereits gefassten Kriegsverbrechern beschränkte sich der Protest auf das monotone Grölen von Parolen wie "Kosovo je Srbija" (Kosovo ist Serbien), "Živela Srbija!" (Es lebe Serbien) usw. Einige russische Redner und auch die Mehrzahl der sprechenden Serben betonten immer und immer wieder die Bruderschaft mit dem großen Freund in Moskau - der auch Serbien nicht vorm Gasboykott bewahrt hatte und mit seiner Außenpolitik konsequent hiesige Forderungen untergräbt. Aber was interessiert das den gemeinen Nationalisten? Den eindrucksvollsten und zugleich ausdrucksschwächsten Auftritt legte eine Gruppe junger Serbonazis hin, die unter krächzendem Gebrüll auf die Bühne stürmten, um eine Europa-Flagge zu verbrennen und danach wieder zu entschwinden. Kurz vor ihnen hatte noch ein Vertreter von "Junges Russland" dem Westen den Krieg erklärt und uneingeschränkte Unterstützung zugesagt. Nu ja.
Positiv zu verzeichnen ist, dass angesichts der lückenfüllenden PR-Aktion für diesen "Protest" dennoch nur wenige Einwohner der Hauptstadt sich überhaupt für die "patriotischen" Sprücheklopfer interessiert hatten. Im Zentrum einer Zwei-Millionen-Metropole wäre dann doch mehr zu erwarten gewesen. Etwas verloren standen am Rand der Veranstaltung einige Vertreter einer Schweizer Friedensbewegung, die wohl - ähnlich einiger "linker" ausländischer Redner - nicht begriffen hatten, wem sie da die Hand reichen. Auf einer Veranstaltung, bei der statt der Bombenopfer zu gedenken, Massenmörder als "Helden des Volkes" gefeiert werden, sollten Linke nichts verloren haben. Schade, dass das viele Westeuropäer noch nicht begriffen haben, offensichtlich im Gegensatz zu den meisten Serben. Die wissen nämlich genau, wer ihnen ihre derzeitige - objektiv als beschissen einzuschätzende - Lage eingebrockt hat. Nationalisten á la Milošević, Šešelj und Co., die glücklicherweise bereits entweder verblichen oder hinter Gittern sind. Die "Gedenk"-Demo in Belgrad: Zu klein geratene Show für Ewiggestrige und ein Silberstreif am Horizont für das neue Serbien. Pozdrav iz Beograda!
Braniborskej kubłanskej ministerce
Vor 1 Tag
Ach, das lässt doch hoffen, dass da nur 2000 Hanseln aufgelaufen sind. (Ich bleibe Optimist)
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